Selbst Siemens Anti-Korruptionsabteilung in Vorfälle verwickelt

Der Siemenskonzern verstrickt sich in immer mehr Ungereimtheiten und Korruptionsvorwürfen. Laut dem ARD-Magazin MONITOR, breite sich der Skandal um schwarze Kassen bei Siemens soweit aus, dass selbst die Anti-Korruptionsabteilung davon gewusst haben soll. Gegenüber MONITOR äußerte sich erstmals der Anwalt von Reinhard S., einem ehemaligen Siemens-Manager, zum System der Schwarzen Kassen.

Wolfgang Kreuzer, der Anwalt von Reinhard S., sagte in der Sendung, der Anstoß, das System der schwarzen Kassen neu zu organisieren, sei im Jahr 2002 direkt aus der sogenannten Compliance-Office von Siemens gekommen. Compliance-Office ist die Bezeichnung der Abteilung beim Siemens-Konzern, die für die Einhaltung des in den Mitarbeiter-Verhaltensrichtlinien, den “Business Conduct Guidelines”, festgeschriebenen Korruptionsverbots zuständig ist.

Siemens debattiert den Vorwurf der Mitwisserschaft, da er jeglicher Grundlage entbehre, erklärte der Konzern. Bei Siemens “wurde der Bock zum Gärtner” gemacht - so gibt der Anwalt Wolfgang Kreuzer die Aussage seines Mandanten Reinhard S. wieder. Reinhard S. habe - so sein Anwalt gegenüber MONITOR - umfassend über die Konstruktion der schwarzen Kassen und die Mitwisser im Konzern ausgesagt.


 

Auch Norwegen übt sich in massiver Kritik an der Art und Weise, wie der Konzern Siemens mit Korruptionsfällen umgeht. SBS Norwegen hatte das norwegische Militär mit einem neuen Kommunikationssystem ausgerüstet. Das dortige Verteidigungsministerium erklärte gegenüber MONITOR: “Unsere Untersuchungskommission hat festgestellt, dass ‘Siemens Business Systems’ (SBS) Geschenke an Militärs gemacht hat, die für die Kontrolle des Auftrages verantwortlich waren. Die Abwicklung des Vertrages war nicht legal”.

Auch die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC hat in dieser Angelegenheit ein Aktenzeichen mit der Nummer HO 1174439 angelegt. Seit Siemens an der US-Börse in New York gelistet ist, unterliegt der Konzern dem strengen US-Unternehmens-Strafrecht. Zwar räumte Siemens inzwischen “Abrechnungsfehler” ein und zahlte rund sieben Millionen Euro an Norwegen zurück, doch die Akte bei der Börsenaufsicht lässt sich nun nicht mehr rückgängig machen. (Quelle: ots/WDR-Pressestelle. 21.12.2006)

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