Medikamentöse Behandlung von ADHS-Kindern enorm angestiegen

ADHS ist eine im Kindesalter beginnende psychische Erkrankung, die sich durch leichte Ablenkbarkeit und Konzentrationsstörungen, geringes Durchhaltevermögen, sowie gesteigerte Aktivität und Impulsivität auszeichnet. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht restlos geklärt, man vermutet eine Kombination aus angeborenen und umwelt- bzw. sozialisationsbedingten Faktoren.

Bei einer Untersuchung zu ADHS fanden Wissenschaftler bei der Auswertung der Daten ein “Wohlstandsgefälle” heraus: Je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung ausfällt, desto häufiger werden Kinder mit ADHS medikamentös behandelt. Führend sind hier Länder wie USA, Kanada, Australien und Norwegen. Damit reiht sich Norwegen in eine traurige Liste ein. Während ADHS-Medikamente im Jahr 1993 lediglich in 31 Ländern eingesetzt wurden, sind dies zehn Jahre später bereits 55 Länder.

Die Therapie mit Medikamenten von Kindern mit einem sogenannten “Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts- Syndrom” (ADHS) hat sich seit dem Jahre 1993 weltweit etwa verdreifacht (+274%). Gleichzeitig sind die Ausgaben für diese Arzneimittel um 900% gestiegen, allein in den USA wurden dafür im Jahr 2003 umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro ausgegeben. In Deutschland hat sich der Einsatz von Medikamenten für die Erkrankung von 1993 bis 2003 etwa verdoppelt.


 

Die jetzt von Wissenschaftlern der University of Berkeley (USA) in der Zeitschrift “Health Affairs” veröffentlichte Studie hat für alle OECD-Staaten (auf der Basis der IMS Health MIDAS Database) untersucht, wie sich in den Jahren 1993-2003 der Einsatz bestimmter Arzneiwirkstoffe, die typischerweise bei einer Diagnose von ADHS verordnet werden, verändert hat.

Dazu zählen Medikamente wie insbesondere Ritalin. Die USA sind danach weltweit führend, was die medikamentöse Behandlung der psychischen Erkrankung anbetrifft. Im Vergleich zu Deutschland wird dort 5-19jährigen Kindern etwa achtmal so oft ein Medikament gegen ADHS verschrieben.

Besonders problematisch erscheint den Verfassern der Studie der rasante Anstieg der medikamentösen Therapie, da weder die Ursachen der Krankheit bislang hinreichend geklärt sind, noch die langfristigen Folgen einer Dauerbehandlung mit Psycho-Stimulantien, die den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen, ausreichend untersucht worden sind.

Zudem wird vielfach auch die bisweilen marktschreierische Werbung von Pharmaunternehmen für ihre Medikamente zur Therapie von ADHS kritisiert. Viele Eltern, die mit der Aggressivität und den Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder nicht mehr zurecht kommen, würden so dazu gedrängt, ihre Kinder beim Arzt vorzustellen und eine medikamentenöse Behandlung zu erbitten. (Quelle: openPR. 23.02.2007)

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